Hörst du die Trommeln? Mambo Jambo in Hürth

Ich hab was so Verrücktes entdeckt, dass ich euch da mal mit der Nase rein stubsen muss.

Wir haben anscheinend ein neues Bistro/Restaurant/Kneipe/Whatever in Hürth, gleich in der Nähe vom Kiebitzweg, was ja eine meiner bevorzugten Bahnhaltestellen ist.

Letzens wunder ich mich noch, welcher Farbenblinde die olle Kneipe an der Parkstraße gekauft und irgendwie türkis angestrichen hat und heute komm ich da vorbei in der Hoffnung an der Pommes-Schranke was halbwegs essbares zu ergattern, da ist das komisch blaugrüne Haus mit einem „Neueröffnung“-Banner bepflastert und der Geruch von Drinnen bringt meinen Magen zum spontanen Amoklauf.

Ich also da rein und umgeschaut – und zu schauen gab es einiges.

Irgendjemand ist der Meinung, dass sich Hürth, ADL hervorragend mit Voodoo und Südstaatenküche kombinieren lässt. Also ich wäre weder im Ersten noch im Zehnten Denkanlauf auf sowas gekommen, aber die Musik ist echt entspannt da und der Geruch aus der Küche ist so nah am Himmel, dass ich mich nur zu gerne zu jeder Religion bekehren lasse, so lange ich weiteressen darf. Nicht das da missioniert würde. Aber die Deko ist… sagen wir mal… äh… exotisch-düster-bunt? Unmengen an bunten Glitzerfahnen, Knochen, Voodoopüppchen, künstlichem Kerzengeflacker, kringeligen komischen Gemälden und in der Küche nen Typen der zwar mehr nach Samoa als sonstwas aussieht und anscheinend gerne Messer wirft, aber seinen Riesenherd sowas von im Griff hat.

Ok, die Preise sind nicht gerade auf Discounterniveau, aber der Geschmack is das auch nicht. Von mir bekommt das Preis-Leistungsverhältnis ne solide 2+, außerdem mag ich die chillige Mucke da. Mal so Trommelgedöns, dann wieder eher Frensh Quarter Jazz, dann irgendwas Insel-Eingeborenes, aber nie nervig.

Die Klos sind sauber, die Bedienung nett und flott und die haben sogar nen Raum, den man mieten kann für… hm… *hust*… besondere Gelegenheiten, sag ich mal. Ich bin begeistert! Hab mich dann gleich mal ein bisschen in der Matrix schlau gemacht und häng euch mal kurz an, was ich da so zu gefunden habe.

Give it a try, is lecker da! Achso, dieser Rat gilt natürlich nich, wenn ihr ein Püppchen seid. Dann ist mit stechendem Kopfschmerz zu rechnen und der erste der nen Zombie sieht bekommt sicher ein Getränk auf Kosten des Hauses.

Mambo JamboKartedark

MamboJambofinal

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Ich glaub, ich spinne…

Sooo Chummas, nu war es aber doch ein ganzes Weilchen ruhig um mich, nehmt es als verfrühten Winterschlaf, aber ich hatte so viel um die Öhrchen, das war nicht mehr feierlich.

Aber dafür hab ich jetzt auch ein paar krabbelige News für euch.

Krabbelig deswegen, weil es um unsere achtbeinigen vieläugigen Kumpels geht, relaxt und gerne mal abhängend in diversen Netzen… Ja, ihr wisst schon was ich meine, unsere Freunde die Spinnen. Zumindest bezeichnet Arrak sie so und der sollte es eigentlich wissen. Wobei, ich hab ihn gefragt was diese Invasion soll und außer nem seligen Grinsen habe ich nur ein zugedröhntes Schulterzucken bekommen und die Aussage, dass Anansi viele Kinder hat. Ja Danke auch, hab ich gemerkt. Dass die aber mal schnell meine Haupteinnahmequelle erobern müssen, das muss nu echt nicht sein.

Und ja, das Eisberg war abgesoffen, aber so was von. In hunderttausenden winziger goldener Spinnen. Die wären ja ganz hübsch gewesen, wenn sie nicht in meinem Spind, in den Getränken und überhaupt überall rumgelaufen wären – inklusive der Elektronik. Wir mussten echt schließen und den Kammerjäger kommen lassen.

Natürlich gab es den Verdienstausfall nicht bezahlt und dementsprechend hab ich mir fast ein Loch in den Bauch gefreut, als Arrak mir ne kleine Führung in den nun völlig vernetzten Eisberg bezahlen wollte. Ja, die Betonung liegt auf „wollte“. Hat er nämlich nicht.

Wir sind da rein, ich hab ihm das ganze Schlamassel gezeigt und er ist aufgeregt, wie ein Kind zu Weihnachten, durch die Bude gelaufen. Und dann einfach umgekippt.

Ich dachte erst, er macht irgendein Schamanending, aber er ist echt ungebremst mit dem Kopf auf die Tanzfläche geknallt und da lag er dann. Echt super. Und stand nicht wieder auf! Die Spinnen waren schon kurz davor, ihn auch noch einzuspinnen, da hab ich ihn rausgeschleppt. Denn wach geworden ist er nicht mehr. Und ich sag es euch, auch wenn Arrak eigentlich ein klapperdürrer Kerl ist, das war ne elende Plackerei, ihn bis zum Hinterausgang zu schleifen. Jetzt bloß keine Vorwürfe bitte, denn ja, ich hatte geprüft ob er noch lebt. Tat er. Nur wach wurde er nicht. Ich hab ihn dann erstmal hinterm Leergut versteckt und hab mir dann überlegt Hilfe zu holen.

Diese winzigen kleinen Goldspinnchen waren überall und ganz scharf drauf, Arrak als Hauptattraktion in ihre Netze zu packen. Fressen die den eigentlich? Neee, oder? Und wenn doch?

Da ich mir nicht sicher war, bin ich also los, um Angarius um Hilfe zu bitten, aber ich konnte ihn nicht finden. Dabei bin ich sogar in die Kirche und hab vielleicht ein klitzekleines bisschen um Hilfe gebete… äh gefragt. Aber anscheinend hat die Kirche nicht sonderlich viel für Ex-Vampirfutter-Goth übrig oder die Leitung war besetzt oder so. Auf jeden Fall kam keine Hilfe, dafür hatte ich aber ne Idee.

Ich also im Laufschritt zurück zum Eisberg, um die Getränkesackkarre zu suchen und… Weg! Also nicht die Sackkarre, sondern Arrak.

Da war ich erstmal sauer. Der Blödmann schuldete mir zum einen noch Geld und zum anderen hatte ich mir echt Sorgen gemacht und da haut er einfach ab!

Nur… seitdem ist er total abgetaucht. Ich kann ihn nirgendwo finden. Und was ich ein bisschen gruselig finde ist, dass die Goldspinnchen auch weg sind. Als der Kammerjäger kam, meinte er, mein Chef wolle ihn verarschen und er würde nicht die Überreste ner verfrühten Halloweenparty aufräumen. Denn nirgendwo im Eisberg war auch nur das winzigste kleine Goldspinnchen zu finden. Aber die ganzen ekligen Klebefäden und Netze sind noch da. Komisch, oder?

Tja, also muss ich jetzt Netze wegputzen statt Getränke schleppen, was doof ist, weil die Spinnen kein Trinkgeld dagelassen haben. Und ich frag mich wo Arrak ist und ob ich nicht mal diesen Anansi frage, von dem er dauernd geredet hat, nur… Wer ist das und wo finde ich den?

Und wo sind diese winzigen Goldspinnchen alle hin? Die spinnen doch!

Solltet ihr also demnächst Besuch von den vielbeinigen Viechern bekommen, sagt Bescheid. Und wenn ihr Arrak findet auch, der schuldet mir immerhin noch Geld!

Die Sonne scheint mir auf den Bauch…

…soll sie auch! Meine ganze tolle Winter-Blässe geht gerade zum Teufel, aber ich bin verdammt zu faul um aufzustehen.
Es ist warm, aber mit einem Bein im Popup-Pool lässt es sich hervorragend aushalten und wenn ich die Augen schließe, riecht es nach Waldbrand, Sonnencreme und Grillzeug, während die Luftmatratze versucht, mich in den Schlaf zu schaukeln.

Hachja, Sommer in der Stadt kann doch ganz schön sein, wenn man zu Chefs Grillparty zwar nicht eingeladen war, aber da kellnern musste und nun zur Aufräumtruppe gehört.
Natürlich war es nicht ganz einfach, die ganzen Wodka-Scheintoten aus dem Schrebergarten zu bekommen und alleine der Flaschenpfand würde mich vermutlich problemlos über den nächsten Monat bringen. Aber nun, wo alles auf der „Datsche“ wieder in den ein wenig lotterigen Urzustand zurück versetzt ist, haben wir uns eine Pause verdient.

Und eins muss man Chef ja lassen, er ist zwar nicht netter als sein seltsam verstorbener Vorgänger, aber er versteht es, sich mitten im kleinbürgerlichsten Schrebergartenverein Kölns ein Stück Russland zu basteln, dass seinesgleichen sucht.
Seine Parzelle mit dem irgendwie zusammengestückelt aussehenden Häuschen drauf, dass ein wenig „Frankensteins Monster“-Flair hat und umgeben ist von Wildwuchs und Kühlschränken voller eiskaltem Wodka mit so russischen Etiketten, dass ich sie auch nicht mehr lesen kann, das hat schon was.
Überhaupt, diese Schrebergärten könnten eigentlich ganz cool sein, wenn sie nicht so spießig wären.
Und je länger meine Kollegin und ich hier liegen, umso sicherer bin ich, dass wir eher spontane Selbstentzündung ob der erzürnten Blicke der Parzellennachbarinnen riskieren, als einen stinknormalen Sonnenbrand. Dabei ist der Kölsche an sich doch ein wenig nackter Haut nicht abgeneigt, so lange sie nicht dem werten Herrn Gatten ins Auge fällt.

Aber egal, was wollte ich noch sagen? Achja, Sonne macht Hirn weich, Wodka auch.
Ich glaube, so ein Schrebergarten könnte, genau wie die Datschen in Russland, erstaunlich gut dafür zu gebrauchen sein, die Nase eine Weile von der Bildfläche verschwinden zu lassen.
Kein Telefon, keine Hausnummern, fließend Wasser, hohe Hecken, ein Dach über dem Kopf, auch wenn es nur ne Hütte ist. Ok, die Nachbarn sind ein Risiko, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die AG Chemie hier vorbei kommt, um das Patent auf die selbstgezogenen nachtleuchtenden Erdbeeren einzufordern, ist eher gering.

Gerade bei den vielen Sommerparties die hier gerade abgehen, fällt die eine oder andere Person mehr gar nicht auf, so lange sie eine Packung Würstchen und ein Sixpack beisteuert. Und ich schwöre, ich hätte mir gestern Nacht beinahe vor Angst ins Höschen gemacht, als da dieser Typ in schwarzem Leder die Hockwende über den Gartenzaun machte. So elegant wie der mich umging, hatte er mich schon im Weg stehen sehen, da wusste ich noch gar nicht, dass ich dem Tod durch Schreck nur knapp entgehen würde. Und ich schwöre gleich noch dazu, dass es keine verwelkten Blümchen waren, die er in der Regenrinne der Datsche zwischenparkte. Dafür war das Gewehr viel zu lang, um noch als Rosenstrauß durchzugehen. Überhaupt, der war nicht echt. Und ein paar der späteren Gäste, die wie Geister aus den Nachbargärten auftauchten, als es fast schon wieder hell wurde, auch nicht. Diese verdammten Hecken überall können Nachts ganz schön gruselig sein.
Ich will auch gar nicht wissen, was so alles im Kartoffelkeller lagert, was in den ganzen ollen Farb- und Nägeleimern so tatsächlich drin ist und ob die Babuschka wirklich Marmelade in die Gläser in der Vorratskammer gefüllt hat. Die eingelegten Gurken waren lecker, den Rest probier ich lieber nicht.

Tagsüber findet man sich dann ein wenig albern, wenn einem die Sonne das Hirn wärmt und alles um einen rum so unspektakulär und spießig aussieht, dass ein untergetauchter Verbrecher oder ein konspiratives Treffen im Rosengarten fast schon Spinnerei wäre. Fast.
Ich geh dann mal weiter Spuren verwisch… äh… aufräumen.

Seid gut zu Vögeln

Es nervt. Was für ein Vieh da auch immer seit Neustem vor meinem Schlafzimmer wohnt, es quietscht wie eine ungeölte Türe und raubt mir den Schlaf.

Ich bin den Weckervogel ja schon gewöhnt, der das Geräusch des handelsüblichen Digitalweckers so gelungen imitiert, dass man sich Nachts um 4 mit den ebenfalls wachgepiepsten Nachbarn auf nen Kaffee auf dem Gang treffen kann. Aber dieses Gequietsche ist neu.

Also setze ich mein nettestes Lächeln auf, zieh mein T-Shirt noch ein Stück tiefer, damit der Ausschnitt auch was her macht, greif mir ein Sixpack Bier und geh runter.

Da unten sitzt Ömür mit seinen Jungs. Und denen erkläre ich dann, was passiert, wenn ich nicht schlafen kann. Dann versiegt nämlich die Bierquelle und die Aussicht auf meine zwei Eisberg-Werbeträger im Dekolletee gleich mit.

Und sie versprechen, das Vögelchen zu finden und ihm den Brüllschnabel zu stopfen. Yeah, Nachtschlaf ich komme! Weil so oft hab ich nicht frei, dass ich den so einfach ausfallen lassen könnte.

Es wird dunkel, es wird quietschig und dann wird es still. Am nächsten Tag flacke ich mich auf die Fresse, als ich halb ausgeschlafen aus der Türe taumele. Wieso steht da ein oller Pappkarton mit meinem Namen drauf im Weg?

Uhhh, Karton für Winter. Ich hab doch gerade erst geputzt! Hat Rebecca noch ein Haustier oder was kommt nu?

Aber Neugier siegt ja bekanntlich über Erfahrung und letztlich sitze ich ziemlich ratlos über einem Haufen gefiedertem Elektroschrott. Ömür hat anscheinend den Glückstreffer seines Lebens gelandet und der Aufprall auf dem Betonboden des Innenhofs hat dem elektronischen Piepmatz den Rest gegeben.

Nun hab ich das übliche Problem. Fragen über Fragen, die mir der gefiederte Schrott auch nicht beantworten kann.

Also, vermisst jemand sein Elektrovögelchen? Kann mir einer sagen, was der Kram noch wert ist? Wieso lässt man sowas an mindestens fünf Nächten in Folge mitten in Chorweiler steigen? Und wieso piepst das Ding?

Klärt mich auf, ich beteilige euch auch am Verkaufserlös. Zu dumm, dass das Ding Schrott ist, heile wär es deutlich hilfreicher und besser zu verchecken gewesen.

Jaja, die heimische Tierwelt ich auch nicht mehr das, was sie mal war…

Arbeit sollte Spass machen, oder? :-(

Wer hat es nicht geliebt als Kind? Einen Besuch auf der Kirmes oder im Vergnügungspark und so lange „Kotzkümpchen“ fahren, wie meine Oma das liebevoll nannte, bis man urplötzlich zu der Entscheidung kam, dass erst essen und dann Achterbahn fahren ne blöde Idee war. Aber wozu hat der liebe Gott die Zuckerwatte erfunden? Die vertreibt den miesen Geschmack schneller, als man Zähne putzen kann und man kann nachher doch in der Geisterbahn rumknutschen. Jetzt schaut nicht so angeekelt, ihr nehmt eh keine Zahnbürste mit, oder?

Letztens überkam mich also spontan Freude und Kindheitserinnerungen, als ich mal wieder einen „Hols und Brings-Auftrag“ bekam und die Übergabe ausgerechnet im uns allseits bekannten Freizeitpark vor den Toren Brühls stattfinden sollte.

Nun war ich wohl eine ganze Weile nicht mehr dort. Vielleicht habe ich auch die Paranoia meines Kontaktes ein klitzekleines bisschen unterschätzt, aber ich sage euch, mitten in der wildesten Schraube des wahnwitzigsten neuen Fahrgeschäftes das gewünschte winzige Elektronikteil aus den Untiefen meines BH’s zu fummeln und es dem kreischenden Fettsack neben mir in die zittrigen angstschweißigen Pfoten zu drücken – das macht keinen Spaß. Vor allem dann nicht, wenn er es erst nach dem dritten Durchgang schafft es zu nehmen und mein Magen mich schon nach dem ersten Mal nach dem Verstand fragt, der leider gar nicht mitfahren wollte.

Aber irgendwie scheint das gerade Trend zu sein, denn nur zwei Tage später holte ich mir auf dem Aqua-Splash ein nasses Höschen und eine Tüte undefinierten Inhaltes ab, die ich dann brav weiterleitete – im Freefalltower.

Ich komm mir langsam vor, wie ein Fahrgeschäftedummy mit Sonderauftrag.

Was ist aus den guten alten Übergaben geworden, die man hinter Pommesbuden und auf Einkaufslädenklos über die Bühne brachte? Wann durfte ich das letzte Mal was in der Kirche unter Bank 13 kleben? Wieso können wir nicht zurück zu stillen Briefkästen auf lauschigen Friedhöfen, auch wenn ich um Melaten zurzeit lieber immer noch einen größeren Bogen laufe? Was ist verkehrt an konspirativen Treffen in kleinen Fresstempeln und den Fake-Liebesblicken, die man potentiellen Tauschpartnern zuwirft, bis das Objekt der Begierde unterm Tisch den Besitzer wechselt? Da hatte man nachher wenigstens nen vollen Magen und war nicht bemüht, sein Essen drin zu behalten. *börps*

Ich hab ja nix gegen Kirmes und Co, aber sollte das nicht Freizeitvergnügen sein? Ok, da gibt es ne Menge Leute auf einem Haufen, aber können wir uns nicht vor dem schiefen Haus in der Schlange anrempeln, statt im dritten Looping nebeneinander zu kreischen und zu versuchen die Transaktion hinter uns zu bringen, bevor der Fotopunkt kommt und wir nachher die Übergabe in Hochglanz mit nach Hause nehmen können?

Och Leute…

Also, wenn ihr mich das nächste Mal im Überschlagkatapult entdeckt, sprecht mich nicht an, ich bin auf Arbeit.

Tulpen aus Amsterdam?

Neulich sagt meine Kollegin nach der Nachtschicht zu mir „Komm wir fahren nach Amsterdam, ich hab ein Doppelticket gewonnen und alleine hab ich keine Lust.“

Doppelticket? Amsterdam? Was ist los? Aber sie meinte es ernst, also packt sie ihre größte Shoppingtasche ein und nimmt mich ins Schlepptau und wir setzen uns hundemüde im Hauptbahnhof in son Zug der voll ist mit beschwipsten ollen Hausfrauen auf Kegeltour und lassen uns nach Amsterdam karren.

Die alten Schnapsdrosseln schmettern eine Stunden lang jeden Schlager, der ihnen einfällt und noch mindestens drei, die ich selbst im Kölner Karneval noch nie gehört habe. Ich wünsche mir spontan Dämpfer oder eine ganze Packung Tranqpatches. Dummerweise hört niemand mein leises Weinen. Ja so ist das Leben.

Aber jede Folter geht irgendwann vorbei und wir kommen endlich an und die Meute fällt aus dem Zug. Ich hoffe inständig, sie verschwinden alle auf Nimmerwiedersehen irgendwo zwischen Tulpen und Gouda.

Hundemüde und schwer genervt kann ich zu Amsterdam nicht viel sagen außer: Die Pommes sind lecker, passt auf, dass ihr nicht in die Grachten fallt und überall Kiffer und Touristennepp in Form von Plastiktulpen und komischen Holzschuhen.

Na egal. Ich gönne mir Plattfüße, eine Koffeinüberdosis und einen Karomini, der mit Amsterdam so viel zu tun hat wie ein steptanzender Eisbär mit Silberfischen. Aber zumindest meine Kollegin ist glücklich und bis zur Nasenspitze vollgestapelt mit Tüten voller Nippes und Klamotten. Also wanken wir zurück gen Zug.

Und da sind sie wieder: Die Kegelschwestern des Grauens!

Leise stöhnend sinke in ich meinen Sitz und wünsche mir, ich hätte doch irgendwelche Kleinigkeiten gekauft, um mein geschundenes Hirn zu betäuben, aber nun ist es zu spät und ich muss da durch.

Wie sagt der Kölner doch so schön: Et is noch immer joot jejange.

Auch wenn es sich gerade definitiv nicht so anfühlt.

Und da kommt doch tatsächlich die Rettung in Form eines schnuckeligen männlichen Blondschopfs dessen Alter nicht jenseits der Mumifizierung liegt. Der Typ sieht genauso verzweifelt aus, wie ich mich fühle und wir quatschen ein bisschen.

Über besoffene Tussen, Amsterdam, Köln und was einem halt so einfällt, wenn man überraschend mit einem attraktiven Menschen zusammentrifft und der auch noch nett und lustig ist.

Wir schaffen es die feierwütige Meute zu ignorieren, die nun sogar im Gang abwechselnd tanzt und sich übergibt. Irgendwann ist dann Köln nur noch fünf Minuten weg und der Blondschopf entschuldigt sich bei mir und verhaftet mal schnell vor dem Aussteigen noch drei verdächtige Typen und übergibt sie an die Bahnpolizei.

Zivilbulle.

Na Klasse. Muss ich jetzt beleidigt sein, weil er mir zum Abschied nur zugezwinkert hat und nicht einmal meine Personalien aufgenommen hat?

Ich bin verwirrt – und schieb das lieber mal auf den Schlafmangel. Öhmja…

Eisberg – nur keine kalten Füße kriegen, Chumma

Frechen Marsdorf war früher ein Industriegebiet mit größeren Einkaufsmöglichkeiten wie Möbelhäusern, Baumärkten und diversen Fastfoodläden.

Mittlerweile ist Frechen nur noch eine weitere von Köln aufgefressene Vorstadt, in der das ewige Dröhnen der mehrstöckigen Autobahn wiederhallt und Marsdorf mit seinen riesigen Hallen ist teilweise verkommen, teilweise wird es noch wie früher als Lagerfläche genutzt.

Nachts erwachen einige der alten Lagerhallen zu neuem Leben und ziehen die Partypeople von Köln an, denn Marsdorf ist immer noch schnell mit dem Auto oder der Bahn zu erreichen.

Schicke Clubs sucht man hier vergebens, hier geht die Masse hin, wenn es drum geht sich mal die Seele aus dem Leib zu tanzen und mit den Kumpels eine gute Nacht zu haben. Ob man danach noch weiter zieht in die teureren Clubs der Innenstadt, oder doch in Marsdorf versackt, ist jedem selbst überlassen.

Einer der großen Läden ist der Eisberg. Ehemals ein Kühlhaus, hat man ihm ein paar Kilo haushoher blauer Leuchtreklame im Schneedesign angedübelt und das Innere mit genug Eis und weißblau beleuchtetem Plexiglas ausgestattet, dass die Titanic ihre Probleme bekäme, den Eisberg unbeschadet zu passieren.

Um sich im Angebot der Großdiskotheken abzusetzen, hat jeder Laden seine eigene Strategie entwickelt. Beim Eisberg hat man sich kurzerhand an das gehalten, was die Halle hergab und einfach die Kühlanlage wieder in Betrieb genommen.

So herrschen im Inneren der Disko schnuckelige – 18 Grad, egal wie kalt oder warm es draußen ist.

Im Eingangsbereich der Disko kann man Thermokleidung und Schuhe leihen. Die meisten Besucher des Eisberg wissen, was sie erwartet und staffieren sich mit einer Mischung aus warmer Kleidung und nackter Haut aus. Immerhin geht es immer noch drum, zu sehen und gesehen zu werden.

Da die meisten Leute schon mit dicken Jacken kommen, sind die Türsteher des Eisberg Kummer gewöhnt und verdammt gut darin, die Gäste zu filzen, damit alles was nicht in den Laden soll auch entweder gleich draußen bleibt, oder vorher in einer der Aufbewahrungskisten abgegeben wird. Die Türsteher sind zumeist russischstämmig und machen dem Klischee des eher wortkargen schrankgroßen Typen alle Ehre. Allerdings sind auch immer ein paar Frauen vorne in der Eingangskontrolle, so dass auch Besucherinnen auf korrekte, aber gründliche Weise durchgecheckt werden.

Diese sorgfältige Kontrolle macht den Eisberg zu einem Ort, wo man sich gerne auch mal trifft, obwohl man auf der Straße nicht ohne Stunk aneinander vorbei könnte.

Außerdem werden die Aufbewahrungskörbe für unerlaubte Mitbringsel gerne genutzt, um Ware zu transferieren. Genügt doch zum abholen eines der Plastkästen ein kleiner RFID-Chip, den man mit der Bezahlung des Eintritts bekommt und auf dem auch die Getränke abgerechnet werden.

Natürlich kann man im Eisberg auch feiern. Es gibt insgesamt vier Tanzflächen, eine lange Eisbar und auf einer Empore genug Nischen, wo man bequem sitzen und sich auch unterhalten kann, ohne sich die Seele aus dem Leib brüllen zu müssen. Außerdem hat man von der umlaufenden Empore einen guten Blick auf die große zentrale Tanzfläche vor der Bar, eine von unten blau beleuchtete Eisfläche, auf der die Trockeneis-Nebelschwaden die ganze Nacht hindurch wabern.  An den Wochenenden tanzen über der Eisfläche magische Illusionen und die magische Sicherheit hat auch ein Auge auf die Besucher.

Am Rande der Tanzfläche gibt es den Cube – einen Würfel aus mattem Glas, Eis und einem Haufen Tech, der das Abhören der Vorgänge im Inneren zu einer echten Herausforderung werden lässt. Den Cube kann man mieten und ich hab schon einige beunruhigende Gestalten drin verschwinden sehen. Manchmal wird er aber auch nur für Privatparties genutzt. Das Innere ist mit mehreren Eisblöcken ausgestattet, die mit Fellen bedeckt sind, um das sitzen bequemer zu gestalten. Dazu gibt es persönliche Kellner, die jeden Wunsch erfüllen und eine Tridanlage, die immer auf dem neusten Stand gehalten wird.

Der Eisberg ist in russischer Hand, was für Kölner Verhältnisse eher ungewöhnlich ist, aber anscheinend versteht sich die Belegschaft des Eisberg gut mit den Chorweilern und da der Laden bisher noch nicht in Flammen aufgegangen ist, scheint alles glatt zu laufen.

Es gab vor kurzem ein wenig Unruhe, als der alte Chef des Eisberg tot in seinem Büro gefunden wurde, angeblich mit seinem eigenen Kuli direkt im Herz steckend. Wobei böse Zungen behaupten, dass er sicher nicht daran gestorben ist, wo der alte Vassili doch eh kein Herz hatte, sondern nur einen Eisklotz. Alle Versuche den Mörder zu finden verliefen im Sand und im Moment dümpelt der Eisberg ruhig durch die Nacht. Böse Zungen behaupten, es ist die Ruhe vor dem Sturm, wird der Laden doch zur Zeit von den drei Söhnen des Toten geleitet und die waren schon immer schlecht darin, mit ihren Geschwistern zu teilen.

Doch die Partymeute draußen bekommt davon wenig mit, so lange die Musik stimmt und die Getränke heiß genug sind, um die Kälte vergessen zu lassen, machen sie die Nacht zum Tag.

Also, immer schön in Bewegung bleiben, damit ihr nicht festfriert. Und gebt gut Trinkgeld, die nächste Saftschubse, die euch eure Drinks bringt, bin vielleicht ich. 😉